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Vom
Elften September bis Offenbarung Vier
Die Bilder
von der Woche des 11.Septembers sind unvergesslich. Die Tränen
eines rothaarigen Berliner Punks mit Irokesenschnitt kniend auf
einem Gehweg voll von flackernden Kerzen. Das Brandenburger Tor
voll mit schockierten Sympathisanten, die den Amerikanern ihr Mitgefühl
über den Ozean hinweg aussprechen. Die Menge an Blumen, Geschenken
und Notizen, die auf die Stufen der amerikanischen Botschaft abgelegt
wurden. Die Bühne einer Kirche voll von Amerikanern, umschlossen
von einer Sie unterstützenden Kirchenfamilie, hält jeder
eine weiße Rose. Dieses sind die starken Bilder, die zeitgleich
mit den furchtbaren Ausschnitten von CNN am 11. September in meinem
Kopf kreisen. Sie beschwören Gefühle wie Horror, Ehrfurcht,
Wut, Angst, Konfusion, Trauer, Trost, Leere und Solidarität
herauf. Die Frage, die ich mir immer wieder stelle, ist: wie lange,
O Herr, wird es so weitergehen?
Während
wir immer noch in Trauer und Fassungslosigkeit lebten, ging für
viele Deutsche das Leben weiter...oder es schien uns wenigstens
so. Die Trauer wurde zur Angst. Die Angst zur Kritik. Innerhalb
weniger Wochen wollten diejenigen, die uns vorher ihr Mitgefühl
ausgesprochen hatten, politische Antworten. Diejenigen, die noch
am 11. September dachten, daß militärische Maßnahmen
geeignet seien, kritisierten Amerika für seine Maßnahmen
am 7. Oktober. Die Fragen und Kommentare stachen wie Wespen: Warum
attakieren die Amerikaner Afghanistan ohne konkreten Beweis? Kämpft
nicht Amerika gegen Terror mit neuem Terror? Ein Angriff gegen Afghanistan
wird nicht die Terroristen treffen, sondern nur die unschuldige
Bevölkerung. Wie heuchlerisch, gleichzeitig zu bombadieren
und humanitäre Hilfe abzuwerfen! Ist es nicht wieder so, daß
Amerika nur seine eigenen Interessen schützt? Die Amerikaner
haben keine Ahnung, was ein Krieg wirklich bedeutet.
Wir verstanden
und teilten viele dieser Kritiken. Besonders die Ermahnungen der
älteren Generation, die sich an die Geschehnisse des Zweiten
Welt Krieges in ihrem eigenen Land erinnern. Die unausweichlichen
Bilder vom Krieg sind für ewig in ihr Gedächtnis gebrannt,
und werden an die nachfolgenden Generationen weitergegeben: Das
Dröhnen der Luftwaffe - die kalten schlaflosen Nächte,
die man in einem Luftschutzbunker verbrachte, und besorgte darüber,
was der Morgen bringen würde, bzw. ob sie den nächsten
Morgen überhaupt überleben würden - der Geruch von
Phosphor einer bombadierten Stadt - der Blick auf die Trümmer,
die ehemals eine vertraute Nachbarschaft darstellten - der Verlust
von Leben, Sicherheit, und Hoffnung. Wie lange, O Herr, kann das
weitergehen? Die Konsequenzen dieses Krieges sind noch heute in
Berlin zu spüren - besonders in den Herzen der Berliner.
Aber auch wir
stellten kritische Fragen. Was wäre passiert, wenn der Westen
sich nicht gegen Hitlers Terror gestellt hätte? Wird der Terror
aufhören, wenn Amerika keinen militarischen Einsatz bringt?
Wird das ein neuer Vietnam Krieg sein? Wir fühlten uns zwischen
zwei "Kritikwelten" hin und her gerissen. Wir wollten
auch Antworten. So haben wir uns in den Wahnsinn der Medien gestürzt,
um Antworten auf all unsere Fragen und Kritiken anderer zu finden.
Aber unsere Suche nach Informationen hat uns nur frustrierter ,
erschöpfter, angstvoller, und ausgelangt gemacht. Schließlich
mussten wir damit aufhören. Ich konnte weder ein Bild mehr
ertragen, noch ein weiteres Editorial verdauen, eine weitere Hypothese
hören, oder eine weitere spekulative Meinung lesen, wie diese
Ereignisse sich entwickeln werden.
Angst trieb
uns in Hoffnungslosigkeit. Die Frustration der unbeantworteten Fragen
trieb uns in Bitterkeit. Wir kämpften selbst, die Ereignisse
besser zu verstehen und wir hatten kein hilfreiches Wort oder Eklärungen
für die Kritiken der anderen. Wie lange, O Herr, können
wir so weitermachen?
Dann errinnerte
mich der Herr an ein biblisches Bild, das ich im diesem Chaos vergessen
hatte: Offenbarung 4. Die Kirche hat in ihrem ersten Jahrhundert
viele sporadische Verwüstungen , hinterlassen von verschiedenen
zum terrorneigenden Imperatoren gesehen. Nero qualte Rom, dann benützte
er die Christen als Fackeln für seine allabendlichenorgien.
Domitius und Trajan verfolgten willkürlich die Christen, die
nicht bereit waren sie als "Herr und Gott" zu veehren.
Nachdem Titus im Jahr 70 N.Ch. Jerusalem geplündert hatte,
begannen die Juden die Christen zu unterdrücken, in dem sie
die Christen als illegale und illoyale Sekte beschrieben. Und dann
kamen im Jahr 79 N.Ch. die massiven Erdbeben und Eruptionen des
Vesuvs, was viele Regionen des Mittelmeerraumes um Hilfe aus Rom
betteln ließ. Diese visuelle Bilder waren für die Kirche
im ersten Jahrhundert unvergesslich. Eine Atmosphere der Angst und
der Hoffnungslosigkeit machte sich breit.
Es war in diesem Kontext, als Jesus Johannes dem Apostel ein himmlisches
Bild (Offenbarung) gab, um die irdische Frage der frühen Kirche
in eine himmlische Perspektive zu stellen. "Danach sah ich,
und siehe, eine Tür war aufgetan im Himmel" schieb Johannes
in Offenbarung 4:1, und plötzlich stand er im Thronsaal Gottes.
Auf dem Thron sah er jemanden, der wie Jaspisstein und Sardion glich.
Um den Thron herum ein Regenbogen. Um den Thron vierundzwanzig Älteste,
bekleidet mit weißen Roben, auf ihren Häuptern goldene
Siegerkränze. Johannes konnte die Macht Gottes in den Blitzen
und Donnerschlägen sehen. Er konnte das Mitgefühl Gottes
für seine Kirche sehen, denn ihre Fackeln brannten noch hell.
Er konnte den souveränen Frieden Gottes im gläsernen Meer
erkennen. Danach hörte er die natürliche Reaktion auf
das souveräne Bild Gottes: ewige Lobpreisung. Sie beginnt wie
ein Quartett, zuerst stimmen die vier himmlischen Gewesen ein (4:8),
dann die vierundzwanzig Älteste (4:10), danach die Myriaden
von Engeln in der dritten Strophe (5:11) und endlich kann die ganze
Schöpfung ihren Atem nicht mehr halten und "jedes Geschöpf"
(5:13) singt in fortissimo zur Preisung und zur Herrlichkeit des
Lammes. Es ist ein zwei Kapitel langes Crescendo der Lobpreisung.
Es ist ein Bild, das ich mitten im Chaos und der Zerstörung
des 11. September vergessen habe. Aber bemerken Sie, daß Jesus
Johannes dieses Bild gab, BEVOR er die Naturkatastrophen auf der
Erde sah. Ich denke, daß die Reihenfolge dieser Offenbarungen
sehr wichtig ist. Der Fazit: das Bild von der unbeschreiblichen
Schönheit, Majestät, Ehre und Kraft Gottes sollte die
Linse sein, durch die ich alle irdischen Bilder sehe. Wenn die Bilder
von dieser Erde mich zur Angst und Hoffnungslosigkeit treiben, heißt
das möglicherweise, daß ich den Fokus auf meine himmlische
Sicherheit verloren habe.
Schließlich
sieht Johannes den Kriegsplan Gottes. Nicht nur in Theorie, sondern
auch in der Realität seiner Auswirkung. Wir werden es durchstehen.
Uns wurde einen Siegel gegeben, nämlich eine Garantie des ewigen
Schutzes Gottes....ein Platz in seinem ewigen Reich. "In diesem
allen sind wir mehr als Überwinder durch den, der uns geliebt
hat." (Römer 8:37). Wie lange, O Herr, wirdst du verweilen?
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